Prothesenwechsel – Wann und warum wird er nötig?
Lockerung, Infektion oder Verschleiß: Wann eine Revisionsoperation erforderlich ist und was Sie erwartet.
Wie lange hält eine Gelenkprothese?
Moderne Hüft- und Knieprothesen sind Meisterwerke der Medizintechnik. Hochwertige Materialien wie Titan, Keramik und vernetztes Polyethylen ermöglichen Standzeiten von 20–25 Jahren und mehr. Daten aus den skandinavischen Endoprothesenregistern zeigen: Über 90 % der Implantate funktionieren auch nach 15 Jahren noch einwandfrei.
Dennoch ist eine Prothese kein lebenslang wartungsfreies Bauteil. Wie jedes mechanische System unterliegt sie einem Verschleiß – und in manchen Fällen wird ein Prothesenwechsel (Revision) notwendig. In Deutschland werden jährlich etwa 35.000 Wechseloperationen an Hüft- und Kniegelenken durchgeführt.
Die häufigsten Gründe für einen Prothesenwechsel
1. Aseptische Lockerung
Die häufigste Ursache – sie macht etwa 50 % aller Revisionen aus. Durch den normalen Abrieb der Gleitflächen entstehen mikroskopisch kleine Partikel. Diese Abriebpartikel lösen im Körper eine chronische Entzündungsreaktion aus, die langfristig den Knochen um die Prothese abbaut. Das Implantat verliert seinen Halt und lockert sich.
Moderne Materialien haben die Abriebrate drastisch reduziert. Hochvernetztes Polyethylen und Keramik-Keramik-Paarungen erzeugen bis zu 90 % weniger Abrieb als ältere Materialkombinationen.
2. Periprothetische Infektion
Eine Infektion rund um die Prothese ist die gefürchtetste Komplikation. Sie kann früh (in den ersten Wochen nach der OP) oder spät (Monate bis Jahre danach) auftreten. Bakterien können über den Blutweg zum Implantat gelangen – zum Beispiel ausgehend von Zahninfektionen, Harnwegsinfekten oder Hautverletzungen.
Frühinfektionen lassen sich manchmal durch eine Gelenkspülung und Antibiotika beherrschen. Bei chronischen Infektionen ist häufig ein zweizeitiger Prothesenwechsel erforderlich: Erst wird die infizierte Prothese entfernt und ein Antibiotika-Platzhalter eingesetzt. Nach Ausheilung der Infektion (6–12 Wochen) wird die neue Prothese implantiert.
3. Periprothetische Fraktur
Ein Knochenbruch in der Nähe der Prothese – meist nach einem Sturz – kann den Wechsel oder die zusätzliche Stabilisierung des Implantats erforderlich machen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter und bei Osteoporose.
4. Instabilität und wiederkehrende Luxationen
Wenn sich die Prothese wiederholt ausrenkt (luxiert), kann ein Wechsel auf ein stabileres Implantatdesign notwendig werden. Dies betrifft hauptsächlich Hüftprothesen und kann verschiedene Ursachen haben: ungünstige Positionierung, Muskelinsuffizienz oder verschlissene Pfannenkomponenten.
5. Verschleiß und Materialversagen
Nach vielen Jahren kann das Polyethylen-Inlay verschlissen sein, ohne dass eine Lockerung vorliegt. In diesem Fall genügt häufig ein Teilwechsel – nur die verschlissene Komponente wird ausgetauscht, der Rest der Prothese bleibt.
Warnsignale: Wann sollten Sie hellhörig werden?
Ein Prothesenwechsel kündigt sich meist durch deutliche Symptome an. Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Zunehmende Schmerzen: Nach Jahren der Schmerzfreiheit kehren Belastungsschmerzen zurück, besonders beim Gehen und Treppensteigen
- Anlaufschmerzen: Schmerzen beim Aufstehen nach längerem Sitzen
- Ruheschmerzen: Schmerzen auch ohne Belastung, besonders nachts
- Instabilitätsgefühl: Das Gelenk fühlt sich „locker" oder „wackelig" an
- Schwellung und Rötung: Hinweis auf eine mögliche Infektion
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl: Bei akuter Protheseninfektion
- Verändertes Gangbild: Zunehmendes Hinken oder Beinlängendifferenz
Wichtig: Nicht jeder Schmerz nach einer Prothesen-OP bedeutet eine Lockerung. Es gibt viele Ursachen für Beschwerden im Bereich eines künstlichen Gelenks. Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend.
Diagnostik: Wie wird eine Lockerung festgestellt?
Die Diagnostik bei Verdacht auf Prothesenlockerung umfasst:
- Röntgen: Vergleich mit früheren Aufnahmen zeigt Veränderungen der Prothesenlage und Knochenabbau
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte (CRP, Leukozyten) zum Ausschluss einer Infektion
- Gelenkpunktion: Entnahme von Gelenkflüssigkeit zur bakteriologischen Untersuchung
- CT oder MRT: Bei speziellen Fragestellungen zur detaillierteren Darstellung
- Szintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung zur Aktivitätsbeurteilung
Der Ablauf eines Prothesenwechsels
Eine Revisionsoperation ist anspruchsvoller als die Erstimplantation. Der Eingriff dauert länger (2–3 Stunden), der Knochensubstanzverlust muss ausgeglichen werden und spezielle Revisionsimplantate kommen zum Einsatz.
Der typische Ablauf:
- Entfernung der gelockerten oder infizierten Prothese
- Aufbereitung des Knochenlagers – ggf. mit Knochenersatzmaterial
- Einsetzen der neuen Revisionsprothese
- Überprüfung der Stabilität und Beweglichkeit
Der Klinikaufenthalt ist mit 7–10 Tagen etwas länger. Auch die Rehabilitation dauert in der Regel etwas mehr Zeit. Dennoch erreichen die meisten Patienten ein gutes funktionelles Ergebnis.
Warum Spezialisierung entscheidend ist
Revisionsendoprothetik erfordert besondere Expertise. Die Anatomie ist durch die Voroperation verändert, der Knochen oft geschwächt, die Weichteile vernarbt. Erfahrung, Planung und die richtige Implantatwahl sind entscheidend für den Erfolg.
Dr. Michael Matz verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Revisionsendoprothetik. Jeder Fall wird individuell geplant, unter Berücksichtigung der spezifischen Ausgangssituation und Ihrer persönlichen Ziele.
Kann man einem Prothesenwechsel vorbeugen?
Einige Maßnahmen können die Lebensdauer Ihrer Prothese verlängern:
- Regelmäßige Nachsorge: Jährliche Kontrollen mit Röntgen – auch bei Beschwerdefreiheit
- Infektionsprophylaxe: Zahnarztbesuche, Behandlung von Harnwegsinfekten, Antibiotika-Prophylaxe bei bestimmten Eingriffen
- Gelenkschonende Aktivität: Sport ja, aber die richtigen Sportarten
- Normalgewicht halten: Weniger Belastung bedeutet weniger Verschleiß
- Sturzprävention: Besonders im Alter – Gleichgewichtstraining, Stolperfallen beseitigen
Fazit: Prothesenwechsel sind planbar
Ein Prothesenwechsel ist ein anspruchsvoller, aber gut planbarer Eingriff. Entscheidend ist: Warnsignale ernst nehmen, rechtzeitig zum Spezialisten gehen und nicht zu lange warten. Je früher eine Lockerung erkannt wird, desto einfacher ist die Revision.
Wenn Sie Beschwerden an Ihrem künstlichen Gelenk haben oder eine Zweitmeinung wünschen, vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei Dr. Michael Matz in München.
Ihr Experte: Dr. Michael Matz
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Über 2.000 Eingriffe. Spezialisiert auf minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik nach der Röttinger-Methode.
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